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Lyriker Reiner Kunze geehrt

Der namhafte deutsche Lyriker Reiner Kunze, Mitglied des Ehrenkomitees des Wissenschaftskolleg Österreich-Bibliothek Brünn, mit zwei tschechischen und zwei deutschen Preisen geehrt:

 

Reiner Kunze wurde 2014 mit dem Südmährenpreis „für die Verbreitung des guten Namens und Ruhmes Südmährens im Ausland und für Bürgermut bei der Verteidigung der Menschenrechte und der Werte von Schönheit und Freiheit“ von Kreishauptmann JUDr. Michael Hašek ausgezeichnet. Im Juni 2014 bekam Reiner Kunze den Preis Gratias agit des tschechischen Außenministers Dr. Lubomír Zaorálek für einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Ansehens der Tschechischen Republik im Ausland verliehen.

Im Laufe von über 50 Jahren übersetzte Reiner Kunze Werke von über 50 tschechischen Lyrikern und Prosaisten, darunter Werke des Nobelpreisträgers Jaroslav Seifert, von Vladimír Holan, Jan Zahradníček, Bohuslav Reynek, aber auch Ludvík Kundera und Milan Kundera (bei letzteren zwei gegenseitige Übersetzungen mit Kunze). Diese Tätigkeit gestaltete sich u.U. als ein geselliges dichterisches Beisammensein, das vielfach auch der Lyriker und Übersetzer Ludvík Kundera (Österreichischer Staatspreis) in dem mährischen Städtchen Kunštát anregte, indem er im Laufe der Jahre mehrere Dutzend von Autoren aus dem Ausland einlud.

In besonderer Weise machte Reiner Kunze die Lyrik von Jan Skácel (1922–1989) im deutschsprachigen Raum bekannt. Mit seinen Gedichtbänden wie sensible wege protestierte Reiner Kunze auch gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei 1968. Schon jahrelang vorher, aber nun erst recht, wurde Reiner Kunze vom SED-Regime schikaniert und von der Stasi intensiv bespitzelt. Nach der Herausgabe des Prosabandes Die wunderbaren Jahre, die Heinrich Böll in Zusammenhang mit den Anfängen der tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung Charta 77 brachte (der Prosaband wurde von dem Pressesprecher der Charta 77 Prof. Dr. Jan Patočka nachweislich an andere Mitunterzeichner weitergegeben) und nach gegenseitigen Solidarisierungsadressen zwischen dem DDR-Liedermacher Wolf Biermann und Reiner Kunze, wurde Biermann 1976 ausgebürgert.

Kunze durfte Anfang 1977 – nach Absprache der höchsten Parteispitzen (von Erich Honecker, dem Chefideologen der Partei Kurt Hager und Stasi-General Erich Mielke) – noch zu der Entgegennahme des Georg Trakl-Preises (zus. mit Friederike Mayröcker, Laudatio Ernst Jandl) nach Salzburg reisen - die sich seit kurzem anbahnenden Beziehungen zwischen Österreich und der DDR sollten nicht gestört werden. Und ohne ausgebürgert zu werden (die Parteispitzen wollte einen erneuten Skandal nach der Biermann-Affäre vermeiden), kam der Dichter wieder in die DDR zurück. Doch unter Androhung einer mutmaßlichen Haftstrafe (gezielte Desinformationskampagne der Stasi) stellten Kunze und seine Familie den Ausreiseantrag in die Bundesrepublik.

Im September 2014 wurde Reiner Kunze mit dem Hohenschönhausen-Preis ausgezeichnet, mit dem Persönlichkeiten gewürdigt werden, „die sich in besonderer Weise um die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur verdient gemacht haben“. (Hohenschönhausen ist Gedenkstätte und ehemaliges Gefängnis für politische Häftlinge nächst der Stasi-Zentrale in Berlin /Ost/). Im November 2014 bekam Reiner Kunze den Franz Josef Strauß-Preis zugesprochen, die Übergabe soll im Frühjahr 2015 erfolgen. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel stattete höchstpersönlich im August 2014, kurz vor Reiner Kunzes Geburtstag, einen Hausbesuch im Sitz der Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung ab. Bereits 2013 erhielt Reiner Kunze die Robert-Schuman-Medaille der Fraktionen der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) im Europaparlament für Verdienste um den Aufbau von Europa und Verteidigung der Menschenrechte und nicht zuletzt den America Award for a lifetime contribution to international writing, einen Preis, der vielfach mit dem Nobelpreis verglichen wird. (Von den Österreichern ging er an Friederike Mayröcker und Peter Handke.) Reiner Kunze wurde anläßlich des 35. Jahrestages der Ausrufung der Charta 77 und seiner Ausbürgerung aus der DDR Mitglied des Ehrenkomitees des Wissenschaftskolleg Österreich-Bibliothek und wurde auch von Vizekanzler a.D. Dr. Erhard Busek, ebenfalls Mitglied des genannten Komitees, mit einer Grußbotschaft geehrt. 

Nach seiner Ausbürgerung half Reiner Kunze u.a. beim Freikauf von politischen Strafgefangenen aus der DDR (u.a. unter persönlichem Einsatz von Bundeskanzler Helmut Kohl) mit. In Österreich war Reiner Kunze – wie so viele Dissidenten aus dem Ostblock – des öfteren bei Wolfgang Kraus in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien zu Gast. Auch trat er gern im ORF auf. 1989 half Reiner Kunze auch vielen DDR-Bürgern mit, die 1989 aus Ungarn (nach dem sog. Paneuropa-Picknick mit Dr. Otto Habsburg) über Österreich nach Bayern flüchteten. Siehe: „Die zitternde Hand des Chirurgen. Reiner Kunzes Rede anlässlich der Grenzöffnung von Ungarn nach Österreich vor 20 Jahren, Vilshofen, September 1989“ (mit freundlicher Erlaubnis des Autors).

Am 9. Dezember 2014 fand im Lyrik Kabinett München die Gemeinschaftsveranstaltung „Das Blaueste Feuilleton. Der Dichter Jan Skácel (1922–1989) und sein Echo in Deutschland“ von Reiner Kunze und Roman Kopřiva anläßlich des 25. Todestages von Jan Skácel (7. November) und der Herausgabe der Monographie von Roman Kopřiva „Internationalismus der Dichter. Einblicke in Reiner Kunzes und Jan Skácels literarische Wechselbeziehungen. Mit einigen Bezügen zur Weltliteratur.



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