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Warum vorwiegend im ost- und südosteuropäischen Raum Österreich-Bibliotheken eingerichtet wurden
erschienen in: Wiener Zeitung, 06.12.2002

Bibliotheken, die im Ausland als "österreichisches Gedächtnis" dienen

von Christine Dobretsberger

Im September dieses Jahres wurde an der Warschauer Universität die insgesamt 49. Österreich-Bibliothek eröffnet. Eine kulturelle Anlaufstelle, die sich mittlerweile über 23 Staaten erstreckt und bestmögliche Information über Österreich liefern soll. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erörterte Emil Brix, Leiter der Kultursektion im Außenministerium, das interaktive Zusammenspiel zwischen den jeweiligen Gastländern und Österreich.


Mag sein, dass es ein früher Schachzug der österreichischen Außenpolitik gewesen ist, als man in den 80er Jahren begann, in Mittel-, Ost- , und Südosteuropa so genannte Österreich-Bibliotheken einzurichten. Zu einem Zeitpunkt also, wo der Umbruch in den kommunistischen Staaten erstmals spürbar wurde und sich eine neue Form des Dialoges zwischen Osten und Westen ankündigte. Um die Kommunikationskanäle dieser bevorstehenden Wende bereits apriori in Schwung zu bringen, wurde im Jahr 1986 an der Krakauer Universität ein Lesesaal eingerichtet, der interessierten Menschen die Gelegenheit eröffnen sollte, bestmögliche Informationen über Österreich zu erhalten. Aus diesem - von Seiten der Leserschaft - rege aufgenommenen Pilotprojekt entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Modell, das 1989 offiziell in Kraft trat, sich mittlerweile über 23 Staaten erstreckt und insgesamt 49 Österreich-Bibliotheken aufweist. Da jede Idee auch ihre Väter besitzt, darf diesbezüglich speziell auf drei Verantwortliche hingewiesen werden: Wolfgang Kraus (bis 1994 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für deutschsprachige Literatur), Bernhard Stillfried (ehemaliger Sektionsleiter für Kultur im Außenministerium) und nicht zuletzt Alois Mock (Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten 1989-1995), der dafür gesorgt hat, dass die Idee im Außenministerium umgesetzt wurde. Seit September 2002 leitet Emil Brix die Geschicke der kulturpolitischen Sektion im Außenamt und skizzierte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Eckpfeiler des Projekts: "Das Rezept dieser Bibliotheken ist im Grunde genial einfach. Wir sind davon ausgegangen, dass gerade in Zeiten eines Umbruchs ein hoher Informationsbedarf besteht. Also wurde mit unseren östlichen Nachbarstaaten - beginnend mit Polen, der damaligen Tschechoslowakei und Ungarn - ein Modell entwickelt, das auf gegenseitigen Synergieeffekten beruht. Während wir das Material zur Verfügung stellen, hat das jeweilige Gastland für die entsprechende Infrastruktur (Räumlichkeiten, Personal Anm.) zu sorgen." Durch dieses interaktive Zusammenwirken will man einerseits ein ständiges Netzwerk an Kontakten aufbauen, andererseits die Bibliotheken "wirklich mit Leben füllen". Was nichts anderes bedeutet, als jene Menschen in den Entscheidungsprozess einzubinden, die als angedachte Zielgruppe fungieren: Germanisten, Bibliothekare, Schüler und Studenten, bzw. jene Leserschicht, die an Österreich interessiert ist. Gezielte Schwerpunktsetzung Obgleich die jeweiligen Bibliotheken von Österreich mit einer gewissen "Grundausstattung" versehen werden, verfügen die MitarbeiterInnen vor Ort nicht nur über ein Mitspracherecht, sondern auch über ein gewisses finanzielles Budget, um landesspezifische Wünsche abzudecken. "Auf diese Weise haben sich in den einzelnen Österreich-Bibliotheken nach und nach Schwerpunkte entwickelt. In den baltischen Ländern ist beispielsweise sehr viel juristisches Material angekauft worden, im Raum der ehemaligen Habsburg-Monarchie dominieren geschichtliche Interessen, manche Länder gehen sehr stark in Richtung Jugend-Literatur", beschreibt Emil Brix die unterschiedlich gefärbten Ausrichtungen der Bibliotheken. Andererseits prägen auch bestimmte Persönlichkeiten das Leseverhalten der Menschen: Beispielsweise Elias Canetti in Bulgarien, Roda Roda in Kroatien oder Nikolaus Lenau in Rumänien. Jene Verantwortliche, die vor Ort die landesspezifische Schwerpunktsetzung bestimmen, werden wiederum nach Österreich eingeladen, damit sie, so Brix, "die Möglichkeit erhalten, sich einen persönlichen Eindruck vom österreichischen Bibliothekswesens zu machen". 4.000 bis 12.000 Bücher Die zuvor angesprochene Grundausstattung umfasst ca. 4000 bis 12.000 Bücher, Zeitschriften, Videos und CDs, die jährlich aufgestockt wird, um eine möglichst aktuelle Österreich-Informationsplattform zu gewährleisten. Die diesbezügliche Auswahl wird von der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, dem Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Institut, bzw. dem zuständigen Referat im Außenministerium getroffen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, laut Brix, "die Vermittlung der deutschen Sprache im ost-und südosteuropäischen Raum. Als wir allerdings feststellten, dass es in diesen Regionen zwar sehr viele Menschen gibt, die an Österreich interessiert sind, aber eben nicht alle ausreichend deutsch können, haben wir das System erneut geöffnet und zusätzliches Material in der jeweiligen Landessprache angekauft." Diese regionale Bezugnahme bewirkt, dass die Österreich-Bibliotheken jährlich von rund 100.000 Menschen genutzt werden. Was nicht zuletzt auch eine Frage des Standortes ist. Denn die Überlegung, speziell an Orten Österreich-Bibliotheken zu installieren, die nicht über ein eigenes Kultur-Forum verfügen, scheint zu greifen. Deshalb werden zumeist lokale Einrichtungen (Bibliotheken, Universitäten) als Anlaufstelle in Sachen Österreich-Information genutzt. Emil Brix: "Wir haben versucht, im mittel- und südosteuropäischen Raum ein geographisches Netzwerk zu entwickeln, damit niemand, der sich mit Österreich befassen möchte, mehr als 200 Kilometer reisen muss". Ein gezieltes Entgegenkommen, das nach dem jüngsten GermanistInnen-Kongress in Graz auch notwendig erscheint. Denn, nach Ansicht der Experten, verdrängt Englisch immer mehr die deutsche Sprache in den süd- und südosteuropäischen Ländern. Während in den vergangenen Jahrzehnten noch ein richtiggehender Deutsch-Boom zu verzeichnen war, "stirbt speziell in Bosnien-Herzegowina Deutsch als Fremdsprache aus", so Erminka Zilic, die Leiterin des Germanistik-Instituts in Sarajevo. Ähnlich die Trendrichtung in Kroatien, wo man die Bevölkerung mittlerweile von staatlicher Seite davon überzeugen möchte, dass das Erlernen von Deutsch - neben Englisch und Italienisch - durchaus sinnvoll sein kann. Da in Istrien der Deutschunterricht auf Grund von Interessensmangel bereits seit einigen Jahren vom Stundenplan gestrichen wurde, hat das dortige Bildungsministerium nun eine landesweite Broschüre verfasst, um die Eltern auf die Sinnhaftigkeit des deutschen Sprachunterrichts hinzuweisen. Nicht zuletzt auch aus touristischen Gründen: Immerhin kommen 71 Prozent der Krotien-Urlauber aus Österreich oder Deutschland. Ungebrochen ist hingegen das Interesse an Deutsch in Slowenien, Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Albanien - allesamt Staaten, in denen Österreich-Bibliotheken errichtet wurden. Vernetzung via Web-Portal Um auch zwischen den einzelnen Bibliotheken einen verstärkten Austausch zu evozieren, will man nun auf elektronischem Weg Synergiefelder eröffnen. Via Web-Portal (www.oesterreich-bibliotheken.at) werden detaillierte Angaben über die jeweiligen "Stammdaten", Aktivitäten und aktuellen Entwicklungen der einzelnen Bibliotheken veröffentlicht, um einen gegenseitigen Gedankenaustausch zu ermöglichen. Als weitere Konsequenz sollen gemeinsame Projekte bzw. eine engere Kontaktaufnahme erfolgen. Oder anders formuliert: "Eine Art Medienverbund zwischen Ländern geschaffen werden, wo es früher praktisch keinen Kontakt gab." In einem weiteren Schritt sollen über diese neuen Medienangebote gemeinsame Internetprojekte konzipiert, bzw. Sprachunterrichtsmethoden entwickelt werden. Was wiederum für ein Projekt mit Schwerpunkt Osteuropa bedeutet, dass Geld für die elektronische Infrastruktur lukriert werden muss. Das Budget für die insgesamt 49 Destinationen ist grundsätzlich mit 500.000 Euro bemessen. Laut Brix "ein eindeutiges Zeichen dafür, dass eine Initiative, die sehr viele Menschen erreicht, auch mit relativ wenig Geld umzusetzen ist." Für Emil Brix liegt somit das Erfolgsrezept eindeutig im partnerschaftlichen Charakter verankert: "Wenn man das Partnerland davon überzeugen kann, dass es Sinn macht, sich auch finanziell an der Aktion zu beteiligen, sind beide Seiten zufrieden und eine Weiterführung des Gedankens ist möglich". Die Österreich-Bibliotheken Albanien: Shkoder Bosnien-Herzegowina: Sarajevo, Tuzla Bulgarien: Sofia, Veliko Tarnovo Estland: Tallinn Georgien: Tiflis Israel: Jerusalem Italien: Trient, Udine Republik Jugoslawien: Belgrad, Novi Sad, Pristina Kasachstan: Almaty Kroatien: Osijek Lettland: Riga Litauen: Vilnius Mazedonien: Bitola Moldawien: Chisinau Polen: Breslau, Krakau, Oppeln, Przemysl, Posen, Warschau Rumänien: Bukarest, Temeswar Russland: Moskau, Niznyj Novgorod, St. Petersburg Slowakei: Kaschau, Pressburg Slowenien: Marburg Tschechische Republik: Brünn, Budweis, Olmütz, Pilsen, Reichenberg, Troppau, Znaim Ukraine: Czernowitz, Charkov, Kiew, Lemberg Ungarn: Debrecen, Fünfkirchen, Szeged, Stein am Anger Weißrussland: Minsk





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